Als Frau alleine pilgern – Das solltest du beachten!

Du würdest gerne eine größere Wanderung machen oder für mehrere Tage pilgern aber hast niemanden mit dem du losziehen kannst und als Frau traust du dich nicht alleine? Ich glaube, mit diesem Problem stehst du nicht alleine da, sondern es gibt sehr viele Frauen, denen es genauso ergeht. Ich kenne dieses Problem von mir selbst. Mein Partner war lange Zeit nicht fürs Wandern, und schon gar nicht für das mehrtägige Pilgern zu begeistern. Auch in meinem Freundeskreis gab es so gut wie niemanden, der sich dafür erwärmen konnte. Letztendlich hatte ich Glück und ein Bekannter fragte mich, ob ich mit ihm gemeinsam den Jakobsweg laufen würde. Tagsüber konnten wir, aufgrund des unterschiedlichen Tempos, zwar nicht zusammen laufen, doch wir verabredeten uns für abends in der Herberge und trafen dort wieder aufeinander. Zu wissen, dass jemand im Notfall nicht weit entfernt und auch per Handy erreichbar ist, war für mich damals irgendwie beruhigend und erleichterte mir den Einstieg ins, damals zumindest fast, alleine Pilgern.

Heute sehe ich die Sache ein wenig anders. Dazu haben mit Sicherheit auch die Erfahrungen auf dem Jakobsweg beigetragen. Zum einen bin ich damals auf meinem Weg einer Frau begegnet, die vollkommen alleine ab den Pyrenäen aufgebrochen war und die mich mit ihrem Mut wirklich inspiriert hat, und zum anderen ist die Hilfsbereitschaft unter den Pilgern in der Regel sehr hoch und man kann im Notfall überall Hilfe finden (so zumindest meine Erfahrung). Oft bleibt man auf den gängigen Pilgerrouten, die stark frequentiert sind, auch nicht lange allein, es sei denn man möchte das.

Auf dem Wispertrail

Welche Punkte solltest du beim alleine pilgern beachten?

Anforderungen der Strecke

Informiere dich im Vorfeld unbedingt über die Anforderungen der Strecke. Wie weit sind die einzelnen Tagesetappen, wie sind Wegbeschaffenheit und Anstiege und wo kannst du einkehren oder eine Rast einlegen? Es ist wichtig, dass du über die entsprechende Kondition verfügst und dir diese Strecke auch zutraust. Gibt es zum Beispiel Abschnitte in denen Schwindelfreiheit und Trittsicherheit erforderlich sind und kannst du das auch bewältigen? Oft gibt es lange Abschnitte ohne eine Einkehrmöglichkeit.

Tipp: Wenn du zum ersten Mal eine Rucksacktour planst, dann trainiere im Vorfeld unbedingt das Wandern mit Rucksack. Du wirst überrascht sein, was für einen Unterschied solch ein 10-13 Kilo schweres Gepäckstück auf den Rücken macht und wieviel mehr an Kondition es dir abverlangt.

Welcher Weg

Zu Beginn ist es sicher gut sich im bekannten Terrain zu bewegen. Vielleicht fängst du einfach mit einer 2 bis 3- tägigen Wanderung in deiner Nähe an, um deine Ängste und Vorbehalte abzubauen. Es muss ja nicht immer gleich ins Ausland gehen. Der Jakobsweg verläuft auch durch Deutschland. Die Wege an Rhein und Mosel sind beispielsweise durchaus zu empfehlen. Natürlich gibt es neben dem Jakobsweg auch noch viele andere schöne Wege. Wähle für den Anfang Routen die gut frequentiert sind und die nicht ganz so weit von der Zivilisation entfernt liegen. Mit der Zeit gewinnst du an Sicherheit und weißt, was du dir zutrauen kannst.

Was muss unbedingt mit?

Denke daran wichtige Dinge einzupacken, die dir im Notfall helfen. Natürlich in erster Linie das Handy, doch man hat nicht immer und überall einen guten Handyempfang um sofort Hilfe rufen zu können. Wichtig sind Dinge zur Orientierung wie Wanderführer, Karte und/ oder Kompass, Dinge um bei Verletzungen erste Hilfe anwenden zu können wie Blasenpflaster und Pflaster, Iod oder etwas anderes zum desinfizieren, Mullbinden und Kompressen sowie Schmerztabletten. Wenn du dich damit sicherer fühlst, kannst du auch eine Trillerpfeife oder Tränengas einpacken.

Auch an ausreichend Proviant und Wasser solltest du denken. Wenn ein Abschnitt doch etwas zu lang ist und du nicht mehr kannst, ist es gut etwas zum Energie auftanken dabei zu haben.

Passende Kleidung einzupacken versteht sich von selbst. Informiere dich, je nachdem wo du wandern möchtest, vorab über das Wetter und das Klima in dieser Region. Gute Wanderschuhe sind das A und O. Diese solltest du vor deiner Tour unbedingt schon gut eingelaufen haben, ansonsten gibt es schmerzhafte Blasen.

Tipp: Versuche soviel wie nötig und nur so wenig wie möglich mitzunehmen. Jedes Gramm zählt am Ende. Nimm am besten Shampoo und Duschgel nur in kleinen Probefläschchen mit. Meist lassen sich die Sachen unterwegs wieder auffüllen. Nicht umsonst findet man in den Herbergen des Jakobsweges so viele liegengelassene Dinge (von Isomatten und Kleidungsstücken bis hin zu großen Shampoo-Flaschen).

Informiere jemanden

Bevor du deine Reise alleine antrittst informiere jemanden darüber wohin du gehst und wie lange du gedenkst weg zu bleiben. Sicher ist es auch nicht verkehrt mit demjenigen wirklich genauestens deine Etappen durchzugehen, die du dir für jeden Tag vorgenommen hast. Ihr könnt auch vereinbaren, dass du dich in regelmäßigen Abständen meldest, damit derjenige sicher gehen kann, dass alles in Ordnung ist. Mit Sicherheit ist das eine etwas lästige Verpflichtung, die du so nicht machen musst, sie hat aber den Vorteil, dass der andere ungefähr weiß wo man nach dir suchen muss, falls doch mal etwas passiert.

 

Am Rhein bei Lorch

 

Mit fremden Weggefährten pilgern

Natürlich gibt es im Internet auch viele Foren, in denen sich Weggefährten finden lassen, doch im Vorfeld solltest du einige Aspekte bedenken. Der Vorteil ist sicherlich, dass man von Beginn an jemanden an seiner Seite hat und nicht erst auf dem Weg Anschluss an eine Gruppe suchen muss, jedoch kannst du dir nicht sicher sein, ob es zwischenmenschlich auf Dauer zwischen euch passt. Das mag bei einer eintägigen Wanderung nicht so schlimm sein oder auch gar nicht so deutlich werden, doch je länger ihr aufeinander hockt, umso mehr werdet ihr feststellen, ob die Chemie zwischen euch wirklich stimmt. Ebenso spielt das Wandertempo eine wichtige Rolle. Vollkommen egal, ob du nun durch den anderen ausgebremst wirst oder du das Gefühl hast dem anderen hinterherrennen zu müssen, in beiden Fällen wirst du nicht glücklich werden. Ich nehme an, du machst dich schließlich auch aus dem Grund auf den Weg um zu dir selbst zu finden und das erreichst du mit Sicherheit nicht, wenn du dich ständig nach jemand anderen richtest. Von daher noch folgende Tipps:

  • Wenn du eine mehrtägige Tour mit einem dir noch fremden Gefährten planst, trefft euch am besten vor der Abreise mal persönlich um zu schauen, ob auf dem ersten Blick die Chemie zwischen euch stimmt. Geht ein persönliches Treffen nicht, dann telefoniert zumindest mal miteinander. Vielleicht schafft ihr es auch, vorweg eine 1-tägige Tour zu machen, um euer Tempo abzugleichen.
  • Legt die Regel fest, dass ihr euch im Notfall auch trennt, wenn es für einen von euch beiden nicht mehr passt. Je nach Situation kann man sich abends in der Herberge wieder treffen oder eben ganz getrennte Wege gehen. Nichts ist schlimmer, als sich in solch einem Fall seinem Gegenüber verpflichtet zu fühlen. Nimm also auch in Kauf, eine Zeit lang alleine weiterwandern zu müssen. Das ist anfangs vielleicht nicht so leicht, aber besser so, als in einer unangenehmen Situation fest zu stecken oder sich gar von jemand anderem abhängig zu machen.
  • Auch wenn ihr eure Tour gemeinsam geplant habt und der andere bestimmte Aufgaben dabei übernommen hat, bleibt für euch selbst verantwortlich, dh. habt alle wichtigen Dinge die ihr unbedingt braucht selbst dabei. Das betrifft die Tourenbeschreibung bis hin zu Reservierungen, Flugtickets, Adressen, Blasenpflaster etc. Verlasst euch niemals auf den anderen.

Letztendlich heißt es, Planung ist die halbe Miete. Umso besser du dich vorbereitet hast, umso sicherer wirst du dich letztendlich fühlen. Aber glaub mir, am Ende kommt doch immer alles anders als geplant, aber das ist das Leben und macht es letztendlich so spannend. Ich wünsche dir auf jeden Fall viel Spaß beim Pilgern.

 

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