Mosel-Camino von Koblenz nach Trier – Prolog

Für dieses Jahr Oktober war eigentlich unsere lang ersehnte Reise nach Island geplant. Schon allein wegen der weiten unberührten Natur und aufgrund der Nordlichter war Island für uns ein spannendes Ziel. Doch leider kam uns der Corona-Virus in die Quere, der eine problemlose Einreise nach Island so gut wie unmöglich machte. Es blieb uns nichts anderes übrig, als diese Reise circa 4 Wochen vor Reiseantritt zu stornieren. Von da an suchten wir nach einer Alternative. Eine Reise innerhalb Deutschlands war wohl angebracht. Im Internet suchten wir fieberhaft nach Angeboten. Ostsee, Nordsee oder doch lieber Allgäu? Doch so wirklich ließ sich einfach nichts finden, bis mir schließlich ein Gedanke in den Sinn kam, der schon seit längerem in mir schlummerte. Eine erneute Pilgerreise! Die passende Literatur dafür lag sogar schon bereit. Bereits vor Monaten hatte ich mir die Reiseführer von zwei deutschen Pilgerrouten besorgt, den Mosel-Camino und den linksrheinischen Jakobsweg, von der ich zumindest eine für mich alleine im nächsten Frühjahr geplant hatte. Wieso nicht die andere davon jetzt gemeinsam machen?

Unsere Motivation für eine Pilgerreise

Der Mosel-Camino erschien mit letztendlich von der Länge und der Zeit, die uns zur Verfügung stand als passender.

Auch bei Matthias kam mein Vorschlag recht gut an. Einzige Bedingung: Wir nächtigen in privaten Unterkünften und Hotels und nicht in Pilgerherbergen. Diese Bedingung einzuhalten war nicht schwer, denn wie sich herausstellte, gab es auf diesem Weg kaum Herbergen mit großen Schlafsälen wie man sie beispielsweise vom Jakobsweg in Spanien her kennt. Er pilgerte zum ersten Mal und wir würden sehen, ob er dem Zauber des Caminos verfallen würde, genau wie ich vor 7 Jahren.

Für mich war es ein spannendes Experiment. Hätte ich immer noch die Ausdauer und Kondition wie vor Jahren? Schon damals ist mir der spanische Pilgerweg bis Santiago de Compostela nicht leicht gefallen, was aber hauptsächlich an den verkehrten Schuhen lag, die mir unendlich viele Blasen beschert hatten. Diesmal würde es mit Sicherheit anders werden. Bessere Schuhe, weniger Gepäck durch die Hotelübernachtungen und auf jeden Fall besseres Essen. Ich erhoffte mir zudem wieder ein gewisses Gefühl von Freiheit und Losgelöstheit von allen Dingen des Alltags. Beim Pilgern entstehen Gedanken, sogar solche, die man schon für längst vergessen hielt. Man durchdenkt sie, wälzt sie um und irgendwann merkt man, dass man gar nicht mehr denkt, sondern einfach losgelassen hat. Das ist das Schöne am Pilgern. Man findet zu sich selbst, überdenkt manche Dinge und ordnet sich neu.

Vorbereitungen

Zuallererst haben wir uns über die mögliche Etappenaufteilung des Caminos informiert. Zu berücksichtigen war hier die Länge und die Höhenmeter der einzelnen Abschnitte und, ob wir uns dem gewachsen fühlten. Letztendlich haben wir uns für die vorgegebene Aufteilung der Etappen aus dem Outdoor-Führer von Karl-Heinz Jung entschieden (siehe auch Amazon-Link unten). Der 160 Kilometer lange Camino wird dort in 8 Etappen aufgeteilt. Über jede einzelne Etappe könnt ihr einen kleinen Bericht, eine Art Pilgertagebuch, von uns lesen und eine gpx-Datei finden:

  • Etappe 1: Koblenz-Stolzenfels nach Alken
  • Etappe 2: Alken nach Treis-Karden
  • Etappe 3: Treis-Karden nach Bullay
  • Etappe 4: Bullay nach Traben-Trarbach
  • Etappe 5: Traben-Trarbach nach Monzel
  • Etappe 6: Monzel nach Klüsserath
  • Etappe 7: Klüsserath nach Schweich
  • Etappe 8: Schweich nach Trier

Daraufhin haben wir uns anhand des Führers oder über das Internet Unterkünfte herausgesucht und für jede Etappe bereits ein Zimmer reserviert. Außer einer Herberge war vom 3-Sterne Hotel bis zu einer einfachen Unterkunft im Privathaushalt alles dabei und ergab so eine spannende Mischung. Im Nachhinein betrachtet, war es sehr gut die Zimmer im Vorfeld zu reservieren, denn gerade in den privaten Unterkünften war das Angebot (evtl. auch Corona bedingt) knapp bemessen und wir erlebten auch, dass Pilger weitergeschickt wurden.

Natürlich war auch die Packliste von Bedeutung und es galt die altbekannte Devise: So viel wie nötig und so wenig wie möglich und immer auf das Gewicht achten! Das sollte diesmal nicht so schwer sein, da wir auf Schlafsäcke, Handtücher und Isomatten schonmal verzichten konnten. Was sich für uns auf jeden Fall als ratsam erwies waren folgende Dinge:

  • Pflaster- und Blasenpflaster
  • Ersatzklamotten, Oberteile am besten in Zwiebeltechnik anwendbar
  • „Rei in der Tube“ zum Durchwaschen der Wechselsachen
  • Regensachen, am leichtesten und platzsparend ist ein Regenponcho, der sich auch über den Rucksack werfen lässt.
  • Medikamente wie Schmerzmittel, Schmerzgel, kühlendes Fußgel usw.
  • Kleine Probepackungen von Duschgel und Shampoo, da diese teilweise auch nicht in privaten Unterkünften verfügbar waren.
  • Zahnbürste, Zahnpasta und ein Kamm
  • ein weiteres Paar leichte Schuhe, damit man abends die Füße von den Wanderschuhen entspannen kann.

Natürlich muss jeder noch für sich selbst entscheiden, was er zusätzlich als wichtig und unentbehrlich erachtet.

Auf dem Weg zum Camino-Start

Die Anreise

Da es uns am unkompliziertesten erschien, wählten wir die Anreise mit Bus und Bahn. Vom Frankfurter Hauptbahnhof nahmen wir die Verbindung nach Koblenz und von dort aus den Bus 670 Richtung Kant-Gymnasium, Boppard. Ausgestiegen sind wir an der Station Stolzenfels Schlossweg in Koblenz, von wo aus wir unsere Pilgerreise mit dem Aufstieg zum Schloss Stolzenfels begannen.

Was uns auf unserer ersten Etappe erwartete, könnt ihr in unserem ersten Etappenbericht von Koblenz-Stolzenfels nach Alken lesen (siehe Links oben). Ihr seid den Weg bereits selbst gelaufen oder habt Fragen an uns? Wir freuen uns über euer Feedback.

 

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