Reisebericht Giethoorn – Venedig des Nordens

Dieses Jahr ist aufgrund der Corona-Situation unser geplanter Sommerurlaub in der Provence leider ins Wasser gefallen. Deshalb haben wir uns spontan für mehrere kleine Kurztrips entschieden, darunter auch einen Tag in Giethoorn – dem kleinen Venedig des Nordens, wie es so schön heisst. Ungefähr zwei Wochen vor Reiseantritt haben wir im Internet nach passenden Unterkünften gesucht. Viel Auswahl gab es nicht mehr aber wir sind dann doch fündig geworden – ein kleines gemütliches Hotel, direkt an einer Wasserstraße gelegen. Perfekt!

Der Ort Giethoorn

Giethoorn liegt in der nordöstlichen niederländischen Provinz Overijssel. Der Ort ist überwiegend autofrei und kann nur mit einem Boot auf einer der vielen kleinen Wasserstraßen, die den Ort durchziehen, befahren werden. Parallel zu den Kanälen verlaufen Rad- und Wanderwege an den jahrhundertealten Reetdachhäusern entlang. Im Kern des Ortes laden unzählige kleine Läden mit Kunsthandwerk, Cafes und Restaurants zum Verweilen ein.

In Angrenzung an Giethoorn befindet sich der Nationalpark Weerribben-Wieden. In dem größten Flachmoor Nordwest- Europas wechseln sich kleine Seen, Teiche und Kanäle mit weiten Feldern, Schilfgürteln und dichten Wäldern ab. Am besten lässt sich die Natur des Nationalparks bei einer geführten Wanderung oder mit dem Boot, bzw. Kanu erkunden.

Eine Tagestour mit dem Boot

Aufbruch vom Hotel

Das Gute an Giethoorn ist, Wasser befindet sich wirklich überall und man kann direkt von seiner Unterkunft mit einer Bootstour starten. Die meisten Hotels haben einen Bootsverleih inklusive, so dass man nicht erst umständlich auf Suche nach einem Bootsverleih gehen muss. Aber selbst das wäre in Giethoorn glaube ich kein Problem, da es wirklich an jeder Ecke einen gibt.

Bootssteg am Hotel

Wir starten unsere Tour am nächsten Morgen um 10:15 Uhr und werden erstmal in alles eingewiesen was es zu wissen gibt. Auch auf Wasserstraßen herrschen gewisse Verkehrsregeln. Ebenso erhalten wir eine grobe Karte der Wasserstraßen mit ausgewiesenen Routen. Man empfiehlt uns die 12 Kilometer lange grüne Strecke, die teilweise durch den Nationalpark führt, und los geht’s.

Der Nationalpark Weerribben-Wieden

Das Boot zu lenken war zunächst gar nicht so einfach, doch irgendwann hatte Matthias den Dreh raus. Vom Hotel aus führen uns kleine, zum Teil wild zugewachsene Kanäle auf eine breite Hauptroute. Vom Tourismus oder anderen Booten ist hier keine Spur, was uns ganz recht ist. So können wir uns noch ein wenig an den Umgang mit dem Boot gewöhnen.

 

In Richtung Nationalpark

Nach circa 45 Minuten erreichen wir die Ausläufer des Nationalparks Weerribben-Wieden. Die Kanäle werden hier wieder schmaler und winden sich durch eine idyllische Naturlandschaft. Wir fahren durch breite Schilfgürtel in denen Sumpf-Schwertlilien stehen. Auf der Wasseroberfläche befinden sich weiß blühende Seerosen. Hier ist ansonsten kein Verkehr und wir haben die Natur vollkommen für uns.

In mir entsteht der Wunsch unseren ohnehin schon leisen Motor abzuschalten und das Boot einfach auf dem Wasser treiben zu lassen, um den Frieden der hier herrscht nicht zu stören. Die Luft ist voll mit Insekten, darunter auch mit unzähligen schillernden Hauben-Azurjungfern. Im Schilf raschelt es unaufhörlich. Wer Glück hat kann hier auch einen Otter entdecken, doch das war uns leider nicht vergönnt.

 

Das Zentrum von Giethoorn

Auf dem Weg ins Zentrum

 

Unser Weg führt uns weiter aus dem Naturgebiet heraus in den Kern des Ortes. Hier wird es richtig voll. Hier heißt es gut rangieren können, mit Gegenverkehr und langsamen Vordermännern und -frauen zurecht zu kommen. Am Rande des Ufers sind immer wieder Anlegeplätze für Boote ausgezeichnet, so dass die Möglichkeit für eine Pause in einem der vielen kleinen Cafes und Restaurants besteht. Wir beschließen weiter zu fahren und gleiten im langsamen Tempo an den alten Reetdachhäusern mit ihren prächtigen Vorgärten vorbei. Obwohl es so voll ist, ist es Idylle pur und man kommt sich vor wie in einem Hobbit-Land, eben nur mit Wasser.

 

 

Viele kleine Holzbrücken verlaufen über den Kanal und man sollte teilweise lieber den Kopf einziehen, um keine schmerzhafte Überraschung zu erleben.

Mittlerweile ist es so voll geworden, dass wir, wie auf einer Autobahn, nur noch im Stop and Go vorankommen, doch wir nutzen die Zeit, um die schönen Häuser rechts und links von uns zu bewundern.

 

 

Von der Hauptwasserstraße, die durch den Ort führt, biegt eine Querstraße in Richtung des Sees Bovenwijde ab. Dort befindet sich ein großes Wasserrestaurant mit einer schönen Panoramaterasse. Leider haben wir die Abfahrt in dem ganzen Trubel verpasst, aber mit Sicherheit wäre es einen Abstecher wert gewesen.

 

Weiden säumen die Ufer

 

Der Rückweg

Nach einer gewissen Zeit kommen wir aus dem Zentrum des Ortes heraus und es wird wieder etwas ruhiger. Mittlerweile sind wir gut 3 Stunden unterwegs. Wir beschließen noch einen kleinen Umweg zu nehmen, anstatt der Route direkt zurück zum Hotel zu folgen. Wir fahren über mehrere kleine Seen und Teiche die durch die Kanäle miteinander verbunden sind. Rechts und links von uns erstrecken sich weite flache Felder und vereinzelt lassen sich Fischreiher beobachten, die in weiten Kreisen ihre Bahnen über uns am Himmel ziehen.

Weite….

….soweit das Auge reicht…

Wir können eigentlich gar nicht genug bekommen von dieser schönen Natur, doch so langsam sind wir ganz schön ko. Die Sonne knallt vom Himmel und später stellt sich heraus, ich habe mir trotz Sonnencreme einen gehörigen Sonnenbrand im Nacken- und Schulterbereich geholt. Nach fast 5 Stunden und gut 19 Kilometern Fahrt biegen wir wieder in den kleinen Kanal unseres Hotels ein. Jetzt noch kurz entspannen und dann auf zum Abendessen. Was für ein ereignisreicher Tag!

Traditionelles Gericht: Fleischkroketten mit Senf und Brot

Unser Fazit

Giethoorn ist mit seinen Wasserstraßen, urigen Reetdachhäusern und dem Nationalpark Weerridden-Wieden unbedingt eine Reise wert. Man kann entweder zu Fuß, mit dem Boot/ Kanu oder auch mit dem Fahrrad die wunderschöne Natur erleben und das Gebiet erkunden. Wer also nicht unbedingt nach Italien fahren möchte, kann alternativ sehr gut ein bis zwei Tage in Giethoorn verbringen. Es ist alles eine Nummer kleiner, sehr heimelig und mit Sicherheit genauso schön wie in Venedig.

 

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