Sollten wir auf Palmöl verzichten? Pro und Contra

Nachhaltigkeit ist spätestens seit Greta Thunberg und den Fridays for Future Bewegungen in aller Munde. Jeder Einzelne kann etwas für die Umwelt leisten und sich im nachhaltigem Konsum üben. Dies mag angesichts unserer derzeitigen Klimasituation anmuten wie ein Tropfen auf dem heißen Stein, doch wo sollten wir sonst anfangen, wenn nicht zuerst bei uns selbst und unserer ganz persönlichen Einstellung zu Umwelt und Natur? Nachhaltiger Konsum funktioniert auf so vielen unterschiedlichen Wegen, die Reduzierung des Fleischkonsums, die Reduzierung von Verpackungsmüll, den Kauf von regionalen Lebensmitteln, mehr Qualität statt Quantität beim Kleiderkauf usw. Ebenso ist die Produktion von Palmöl meiner Meinung nach einer unserer größten Klimakiller.

Was ist Palmöl?

Palmöl wird aus dem Fruchtfleisch der Ölpalme gewonnen. Es ist reich an gesättigten Fettsäuren (50 %), womit es laut Nahrungsmittelexperten nicht unbedingt zu den gesündesten Fettsorten gehört. Oliven-, Raps- oder Sonnenblumenöle wären demnach eine wesentlich gesündere Alternative. Neben dem Öl aus dem Fruchtfleisch wird auch aus den Kernen der Ölpalmfrucht ein Öl gewonnen, das Palmkernöl. Auch dieses ist reich an gesättigten Fettsäuren. Mit einer Jahresproduktion von rund 74 Millionen Tonnen ist das Öl in großen Mengen das ganze Jahr über verfügbar. Palmöl hat einen hohen Schmelzpunkt, wodurch es bei Raumtemperatur noch fest aber trotzdem streichfähig und geschmeidig ist. Im raffiniertem Zustand ist es zudem geruchslos, geschmacksneutral und lange haltbar. Zudem wächst die Ölpalme sehr schnell und ist besonders ertragreich. All diese Faktoren machen Palmöl zu einer beliebten Zutat der Lebensmittelindustrie.

Weltweit findet ein kontinuierlicher Anstieg der Palmölproduktion statt. Laut statistica.com stieg die Produktion vom Jahr 2002/03 auf das Jahr 2018/19 von 27,76 Millionen Tonnen auf bereits 74,02 Millionen Tonnen weltweit produzierten Palmöls.

Wo finden wir Palmöl?

Palmöl befindet sich in vielen Produkten die wir im Supermarkt erhalten und ist so gut wie nicht mehr aus unserem Alltag wegzudenken. Es ist in Reinigungs- und Waschmitteln, Shampoo, Duschgel, in Kosmetika wie in Lippenstiften und Cremes, in Süßigkeiten, Fertigprodukten, salzigen Snacks, Kerzen und Treibstoff enthalten. Palmöl zu vermeiden ist heute gar nicht so einfach, vor allem auch deshalb, weil sich palmölbasierte Stoffe unter rund 200 Bezeichnungen, wie beispielsweise Pflanzenöl, Pflanzenfett, Palmkernöl, Palmate, Palmitate usw. tarnen. Eine Liste der Bezeichnung der versteckten Palmöle findet ihr auch hier: Umweltblick

Palmöl in Brotaufstrich

Rodung und Trockenlegung vom Torf- und Regenwald

Oft wird die Ölpalme, aus deren Frucht das Palmöl gewonnen wird, als besonders ökologisch bezeichnet, da sie durch ihr schnelles Wachstum besonders ertragreich ist und nur wenig Anbaufläche benötigt. Dadurch ist Palmöl zudem das billigste Öl auf dem Markt. Doch Fakt ist, dass die Palmen nur im feuchten Regenwaldklima in Nähe des Äquators gut gedeihen. Für den Anbau von Ölpalmplantagen müssen demnach große Flächen der tropischen Regenwälder, mit ihrer einzigartigen Tier- und Pflanzenwelt, abgeholzt werden. Die Hauptanbaugebiete von Ölpalmplantagen liegen in Südostasien und kleineren Anbaugebieten in Kolumbien, Thailand und Nigeria. Regen- und Torfwälder werden dort für den Anbau von neuen Plantagen gerodet und trockengelegt. Die Torfböden binden große Mengen der Klimagase CO2 und Methan. Bei der Entwässerung der Böden gelangen diese Gase erneut in die Luft. Nach der Trockenlegung der Gebiete ist das Ökosystem Torfmoor zerstört und der Grundwasserspiegel am untersten Limit. Durch große Hitze und der fehlenden Feuchtigkeit kommt es nun vermehrt zu Bränden, wodurch weiteres CO2 freigesetzt wird. Häufig werden neue Anbauflächen durch (zum Teil) illegale Brandrodungen geschaffen. Der beißende Qualm der Feuer verbreitet sich über das Land und schädigt extrem die Gesundheit der dort lebenden Menschen. Die Einwohner in den Anbaugebieten werden oft gewaltsam von ihrem Land vertrieben und ihnen wird ihre Lebensgrundlage genommen.

Die Liste der Nachteile ist also lang und könnte sicher noch erweitert werden. Dabei gibt es genügend alternative, palmölfreie Produkte, die beispielsweise mit Lein-, Raps-, Oliven- oder Sonnenblumenöl produziert werden. Die traurige Wahrheit ist, wir bekommen von der Industrie nur deshalb überall Palmöl untergejubelt, weil es sich leicht zu billiger Massenware mit meist minderer Qualität verarbeiten lässt.

Ist ein völliger Verzicht auf Palmöl überhaupt sinnvoll?

Jein. Das Problem ist, dass wir Alternativen zu der besonders ertragreichen Ölpalme brauchen, die nur sehr wenig Anbaufläche benötigt. Der Ersatz von Palmöl durch andere Öle würde das Problem nur verlagern, da wir wesentlich mehr Anbaufläche benötigten. Würde allein in Deutschland der Verbraucher kein Palmöl mehr kaufen, wäre laut WWF 1,4 Mio Hektar Anbaufläche mehr erforderlich, denn keine Pflanze produziert mehr Öl als die Ölpalme. Der Jahresdurchschnitt von produziertem Öl lag 2010-2012 bei der Ölpalme bei knapp 3,7 t/ha, bei der Sonnenblume waren es nur 0,86 t/ha und beim Soja sogar nur 0,52 t/ha. Die Steigerung des Flächenbedarfs würde weitaus mehr Treibhausgase produzieren und zusätzliche Ökosysteme belasten.

Doch wie sollen wir uns nun verhalten? 

Der Tipp von WWF-Experten lautet palmölbasierte Produkte zu reduzieren.

Eine Möglichkeit wäre frisch mit regionalen Zutaten zu kochen, anstatt Fertigessen zu wählen sowie weniger Schokolade und Fettiges zu kaufen. Ebenso wäre es sinnvoll Bio zu kaufen, denn Bio-Palmöl kommt noch ohne Pestizide aus.

 

Verwendete Quellen: https://www.regenwald.org/themen/palmoel/fragen-und-antworten#start / www.statistica.com / Das Klima Buch, Gonstalla, Esther, oekom verlag München / https://blog.wwf.de/palmoel-check-nutella/

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