Waldbaden – 4 Tipps für Achtsamkeit in der Natur

Bei dem Begriff „Waldbaden“ stellt sich wohl jeder zunächst ein Bad in einem Waldsee vor, doch mit dem aus Japan stammenden „Shinrin Yoku“, was so viel bedeutet wie „in der Atmosphäre des Waldes baden“, ist viel mehr das achtsame Erleben des Waldes mit allen Sinnen gemeint. Waldbaden wird mittlerweile auch hier in Deutschland immer beliebter und wirkt auf den Körper und den Geist überaus heilsam.

 

Wie wirkt Waldbaden?

Die Natur entfaltet nicht nur in Form von Kräutern und Heiltränken ihre Heilkraft, sondern ein Aufenthalt weitab vom Alltagsstress in der Natur kann uns zur Ruhe kommen lassen und Entspannung bringen. Zudem wurde bereits wissenschaftlich bewiesen, dass lange Aufenthalte in der Natur durchaus zu einer Erhöhung der körpereigenen Abwehrkräfte führen und insbesondere bei Depressionen heilsam auf die Psyche wirken. Beim Waldbaden geht es vor allem um Achtsamkeit, das heißt, sich mit allen Sinnen auf die Natur einzulassen. Das bewusste Wahrnehmen und Erleben bringt uns ins Hier und Jetzt. Es sollte weder an Vergangenes noch an bevorstehende Aufgaben und Termine gedacht, sondern allein der jetzige Augenblick ge- bzw. erlebt werden. Das ist in unserer hektischen Welt nicht immer einfach, jedoch notwendig, um wieder ein Bewusstsein für sich selbst zu bekommen. Indem wir die kleinen Dinge, und vor allem die Natur, wieder schätzen lernen, kommt in uns eine gewisse Form von Dankbarkeit auf die unserer Seele Frieden gibt. Und nicht nur das, Bäume haben etwas kraftvolles an sich und manchmal haben wir vielleicht das Gefühl, dass sie diese Kraft auf uns übertragen. In gewisser Weise ist das auch so, denn der bei der Photosynthese produzierte Sauerstoff der Pflanzen sorgt für eine besonders reine Luft. Atmen wir bewusst und tief ein, dann füllen wir unseren Körper und unsere Zellen mit frischer Energie.

4 Tipps für achtsames Waldbaden

Waldbaden braucht eigentlich nicht viel, weder eine teure Ausrüstung noch eine aufwändige Planung, doch diese vier Dinge solltest du beachten:

Sich Zeit nehmen

Für das Waldbaden braucht man genügend Zeit für sich, denn Waldbaden führt man in der Regel allein durch, damit man sich ganz und gar auf die Natur konzentrieren kann.  Je länger der Aufenthalt in der Natur stattfindet, umso effektiver ist die Wirkung für Körper und Geist. Ein Waldbad sollte mindestens 2 bis 3 Stunden dauern, besser ist es noch, wenn sich das Waldbaden über einen Zeitraum von mehreren Tagen erstreckt. In erster Linie ist jedoch wichtig, dass du die Zeit mit dir selbst vereinbaren kannst und du dich absolut wohlfühlst. Auf keinen Fall sollte Zeitdruck durch hinterher anstehende Termine entstehen oder das Gefühl von getrieben sein aufkommen. Nimm dann lieber einen kürzeren, dafür aber intensiveren Aufenthalt im Wald in Kauf.

Bewusstes Wahrnehmen

Wie bereits oben erwähnt, geht es um Achtsamkeit und den Einsatz aller Sinne. Dies geschieht vor allem durch das langsame Voranschreiten. Nimm mit allen Sinnen, und vielleicht auch ein wenig mit den Augen eines Kindes, die Natur in dich auf. Versuche die Details in dem großen Ganzen zu sehen, indem du beispielsweise ein Blatt in die Hand nimmst und es dir genauer betrachtest, die Rinde eines Baumes ertastest, den von der Sonne erwärmten Waldboden riechst, Kräuter schmeckst (aber bitte nur das, was du auch wirklich kennst probieren) oder vielleicht sogar barfuß über Moos oder das Laub läufst. Ist der Untergrund weich oder hart, warm oder kalt? Hör zu wie die Blätter im Wind rascheln oder die Vögel zwitschern. Vielleicht setzt du dich an einer besonders schönen Stelle einfach hin und hörst in dich hinein. Wie geht es dir, was kannst du von deinem Platz wahrnehmen, wie fühlt sich der Wald für dich an? Es geht nicht darum schnell voranzukommen, sondern darum anders voranzukommen, nämlich bewusster, intensiver im Erleben und ohne ein bestimmtes Ziel erreichen zu wollen. Wir entschleunigen quasi unser Leben. Hier ist, sprichwörtlich gesagt, der Weg das Ziel.

Atmung und Bewegung

Das Waldbaden lässt sich gut mit Meditation, Quigong-Übungen oder Dehn- und Atemübungen verbinden. Wenn dir danach ist und du diese Dinge beherrscht, kannst du es nach Lust und Laune bei deinem Waldgang einbauen. Es reicht auch einfach tief und ruhig ein- und auszuatmen. Atme am besten tief in den Bauch bis tief in die Lungenspitzen hinein und nimm die sauerstoffreiche Luft in dich auf. Allein durch die tiefe Atmung wirst du spüren, wie sich dein Puls beruhigt, der Brustkorb sich weitet, du Entspannung findest und bedrückende Gefühle von dir abfallen.

Das Richtige mitnehmen

Denke an ausreichend Proviant (Essen und Trinken), wenn du dich auf eine längere Tour begibst. Falls du dich auf unbekannten Terrain bewegst, solltest du auf jeden Fall eine Karte dabei haben. Heutzutage gibt es zwar das Handy und Google maps, aber nicht überall hat man einen ausreichend guten Empfang. Außerdem ist es durchaus sinnvoll, das Handy mal zu Hause zu lassen, um keinerlei Ablenkungen durch die Außenwelt zu bekommen. Falls du das Handy für Notfälle dennoch gerne dabei hast, empfehle ich dir es während der Tour auf den Flugmodus zu stellen und nur für den Notfall zu gebrauchen. Ebenso solltest du etwas die Zeit im Blick behalten, damit du nicht im Dunkeln den Weg zurückfinden musst. Wenn du das Handy zu Hause lässt, denk also an eine Armbanduhr, die du nicht unbedingt tragen musst, aber im Rucksack dabei haben solltest. Je nach Wetterlage sollte auch an Sonnenschutz oder Regenkleidung sowie an entsprechendes Schuhwerk gedacht werden.

Waldbaden ist Medizin für Körper und Geist. Wie viel Zeit man sich dafür nimmt, welche Entspannungstechniken man verwendet oder welche Strecke man wählt bleibt dabei jedem Selbst überlassen. Ziel sind einzig und allein Bewusstheit, Entspannung und Entschleunigung des Alltags.

Ich wünsche dir viel Spaß und Erholung dabei.

 

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