Waldschäden – braune, abgestorbene Bäume und kahle Flächen

Bei unseren Wanderungen sind uns bereits im letzten Jahr die vielen kahlen Stellen im Wald, sowie braune, abgestorbene Nadelhölzer aufgefallen. Hinzu kamen zahlreiche entwurzelte Bäume, die wie Streichhölzer umgeknickt zu sein schienen. Dabei war und ist es erschreckend, wie schnell das Absterben der Bäume voranschreitet. Fast mit jedem Monat scheinen neue tote, verdörrte Flächen hinzu zu kommen. War vor einem Jahr noch ein dichter Nadelwald vorhanden, liegt mit einem Mal nur noch abgeholzte Leere vor einem. Was passiert da eigentlich mit unseren Wäldern und lässt sich das aufhalten?

Ein Grund für kahle Flächen

Mit Sicherheit spielt der Borkenkäfer, das Klima sowie der Mensch selbst bei der Zerstörung unserer Wälder eine bedeutende Rolle.

Borkenkäfer sind braune oder schwarze Schädlinge, die sich in die Rinde oder in das Holz eines Baumes bohren und sich in den selbstgebohrten Gängen vermehren. Während sich die Larven durch den sogenannten Bast, die innere Rinde, fressen, unterbrechen sie den Saftstrom (die Leitungsbahnen die die Baumwurzeln mit lebenswichtigen Nährstoffen versorgen) des Baumes. Bei starkem Befall wird auch der Wassertransport aus den Wurzeln in die Baumkronen so stark gestört, dass die Bäume absterben.

Borkenkäfer überwintern auch bei starkem Frost als Käfer, Larve oder Puppe unter der Rinde oder im Boden. Im April und bei ca. 16 Grad werden die Schädlinge aktiv und bohren sich in die Bäume hinein. Die für unseren Wald  gefährlichsten Borkenkäferarten sind der Buchdrucker und der Kupferstecher, die beide die Fichte befallen.

Borkenkäfer sind in der Regel sekundäre Schädlinge, das heißt, sie befallen nur kränkelnde und absterbende Bäume. Dabei prüft zunächst ein Männchen als Vorreiter, ob der Baum sich wehren kann. Kann er es nicht, stößt das Männchen einen Lockstoff aus, der anderen Vertretern seiner Art signalisiert, dass sich hier eine geeignete Brutstätte befindet. Ein gesunder Baum stößt durch seinen Harzfluss den Schädling aus. Bei Wassermangel kann der Baum jedoch kein Harz produzieren und wird dadurch zum Angriffspunkt für den Käfer. Insbesondere extreme Wetterereignisse, wie starke Trockenheit, Wind- und Schneebruch, Hitze oder Orkane, können das Brutmaterial für den Schädling vermehren und zu einem starken Anstieg der Population führen. Diese Massenvermehrung führt letztendlich dazu, dass auch gesunde Bäume befallen werden. Der sekundäre Schädling wird somit zu einem primären Schädling.

In der Nähe des Herzbergs

 

Hinzu kommt der Punkt, dass es sich bei vielen Baumarten um eingeführte Taiga-Baumarten handelt, die viel Feuchtigkeit und Kühle gewöhnt sind und Trockenzeiten nur schlecht überstehen können; alleine wegen ihres schnellen Wachstums und der damit verstärkten Holzproduktion in Monokulturen angepflanzt. Bei genauerer Betrachtung zeigen die entwurzelten Bäume in unserer Region steinige, trockene Untergründe in denen die flachen Wurzeln keinen Halt finden können.

Neben der Veränderung des Klimas, trägt auch der Einsatz von dem tonnenschweren Harvester (Holzvollernter) zum Baumsterben bei. Durch die Vibration dieser Fahrzeuge verdichtet sich der Boden so stark, dass laut Geologen die Wasserspeicherkapazität des Waldbodens dadurch bis zu 95 Prozent abnimmt. In trockenen Zeiten gibt es dadurch nicht genügend Wasservorrat und die Bäume verdursten regelrecht.

Was kann getan werden?

In erster Linie wird keine Monokultur, sondern eine Mischung aus Laub- und Nadelwald angestrebt. Die meisten Käfer haben sich auf nur wenige Baumarten (beispielsweise die Fichte) spezialisiert und werden somit weniger Brutstätten finden. Ebenso sind laubholzreiche Mischbestände wesentlich stabiler gegen Trockenheit oder anderen extremen Wetterbedingungen.

In Nadelholzbeständen sollte insbesondere während der Flugzeit im April darauf geachtet werden, dass kein bruttaugliches Material zur Verfügung steht. Maßnahmen, die zum Einsatz kommen sind beispielsweise, dass befallene oder kranke Bäume komplett entfernt und entrindet werden. Vermeiden möchte man insbesondere große Kahlflächen, da die hohen Nadelbäume (Fichten und Kiefern) hervorragend Schatten für junge Buchen spenden und damit der sanfte Übergang von Monokulturen zu den zukünftig natürlichen Laubwäldern angegangen wird.

Gegen Buchdrucker und Kupferstecher lassen sich Lockstofffallen aufbauen. Diese enthalten den Lockstoff, den das Männchen beim Überprüfen des Baumes ausstößt, wenn es ihn als Brutstätte für tauglich hält.

Anstatt der tonnenschweren Harvester, werden bereits vereinzelt Pferde für die Waldarbeiten eingesetzt. Diese altmodische Herangehensweise ist zwar langsamer, zeigt sich auf Dauer gesehen jedoch als wesentlich effektiver.

Fest steht allerdings, die Natur findet immer wieder Wege sich zu regenerieren. Der Wald stirbt nicht aus, er befindet sich nur im Wandel und je weniger wir versuchen dort einzugreifen, umso besser gelingt es ihm.

 

Verwendete Quellen: Das geheime Leben der Bäume von Wohlleben, Peter/ https://www.wald.de/borkenkaefer/

 

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